Die Burg und ihre Besitzer

Es wird vermutet, dass die Burg Hohenstein im 11.Jahrhundert errichtet wurde. Ob dies auch die Anfänge der Besiedlung des Hohenstein waren, bleibt offen. Eine gewisse Siedlungsdichte in der Umgebung und auch das Vorhandensein von vorgeschichtlichen Fundstätten deuten auf eine wesentlich ältere Geschichte hin.

976 wurde das Kloster Bergen bei Straubing von Wiltrud, der Witwe des Herzogs von Bayern, gestiftet. In der Beschreibung der Klostereinkünfte werden etliche Orte der Umgebung dem Kloster zugeschlagen, unter anderem der „Geigenbauacker“ bei Hohenstein.

Damals waren die Bewohner größtenteils noch Heiden. Vielleicht wurde deshalb 1010 das Land um Hohenstein dann dem Bistum Bamberg zugeschlagen. 1163 wird die Burg Hohenstein erstmals schriftlich erwähnt, als Sichilinius von Hohenstein, der vermutlich als Burggraf eingesetzt war, Vogt für die Güter des Klosters im Amt Hersbruck wurde.

1235 wurde Hohenstein dann (zusammen mit Hersbruck, Amberg, Vilseck und Auerbach) den Hohenstaufen als Lehen übergeben – die jedoch bereits 1268 mit dem nach einem verlorenen Kriegszug in Neapel geköpften Konradin von Hohenstaufen ausstarben.

In den nächsten Jahrzehnten wechselte die Burg mehrfach den Besitzer, bis Kaiser Karl IV. alle Besitzungen der Gegend als Rückzahlung für ein Darlehen 1355 „für ewigen Zeiten“ dem Königreich einverleibte (1360 kaufte er dann die Burg offiziell dem Kloster Bergen ab). Mit der Zeit wurde der Sitz des Vogtes dann nach Hersbruck verlegt und die Burg diente wie zahlreiche andere dem Schutz des Landes.

Zu dieser Zeit bestand die Burgbesatzung aus 18 Mann: Einem Burggrafen und 2 weiteren Berittenen, einem Torwächter, einem Türmer, einem Koch, 4 Wachen und 8 Kriegsknechten. In der Waffenkammer befanden sich jeweils 5 Harnische, Armbrüste, Eisenhauben und Lederkoller (Hauben mit angesetztem Schulterschutz).

1401 eroberte Kurfürst Ruprecht von der Pfalz Burg Hohenstein im pfälzisch-böhmischen Krieg. Sie wurde mehrfach verpfändet, gelangte an die Wittelsbacher und ging schließlich an die Linie Bayern-Landshut über.

1504 erobert die Reichsstadt Nürnberg im Landshuter Erbfolgekrieg das ganze Gebiert bis auf die Burg Hohenstein, die 1505 für 10.000 Gulden von Nürnberg nachgekauft wurde.

1520 gab es auf der Burg eine Feldschlange (kleines Geschütz), drei Zentnerhakenbüchsen, zehn kleine Hakenbüchsen, zehn sog. Handbüchsen, etwas mehr als eine Tonne Pulver, zwei Feuerpfannen, fünf alte Armbrüste, drei Winden, eine Sturmleiter, diverses Werkzeug sowie Wasserspritzen und Ledereimer für den Brandschutz.

Die Burg blieb bis 1806 nürnbergerisch, bis die Reichsstadt dem Königreich Bayern einverleibt wurde.

Das Dorf und seine Bewohner

Um die Burg ranken sich viele alte Geschichten. Sie war ein Landwerk des alten Nordgaues, und wie R. Giese in seinem Buch „Burg Hohenstein im Nürnberger Land“ schreibt, gab es einen „Blutaltan“ (Altan = vom Erdboden gestützter Balkon), auf dem angeblich „einige geköepft worden seyn“.

Der Hohenstein hatte seinen eigenen Adel, die Hohensteiner. Sie führten als Wappen ein schwarzes Gitter auf weißem Grund – deshalb wird angenommen, dass sie dieselbe Herkunft wie die Hüttenbecken, die Herren des nahen Hüttenbachs hatten. Namentlich erwähnt werden die Hohensteiner erst mit Ulrich von Hohenstein, 1307, Konrad von Hohenstein, 1387, und Hiltpolt von Hohenstein 1419. Es ist jedoch nicht eindeutig, in welcher Beziehung sie zur Burg und dem Dorf standen.

1275 wird ein Bauernhof in Hohenstein genannt, aus dem sich wohl die Ortschaft entwickelte.

1336 erwähnt die Engelthaler Nonne Adelheid Langmann in ihren Offenbarungen den Richter Eberhard Schütz auf Burg Hohenstein und vor allem seinen sündigen Lebenswandel. Er bekehrte sich später und trat als Mönch in das Kloster Kaisheim bei Donauwörth ein.

1449 wird Ulrich Sittenbeck als „Hauptmann zum Hohenstein“ genannt.

1505 wird in einer Aufstellung des Grenzverlaufes notiert, dass in der Burg „königliche Freyung“ gilt. Das bedeutet, dass jeder, der in die Burg gelangt, vor Verfolgern geschützt ist.

1553 belagerte Markgraf Albrecht Alcibiades von Kulmbach Nürnberg und verheerte das Nürnberger Land. In Hohenstein wurden bei einem Überfall 18 Zimmer abgebrannt, trotz der vorsorglich vom Nürnberger Rat zusätzlich geschickten Kriegsknechte, die strikte Anweisung hatten, sich in Bereitschaft zu halten. Im Dorf wurden 28 bäuerliche Gebäude zerstört (den Bauern war sogar zuvor noch ein Schutzgeld abgepresst worden, sie wurden dann aber trotzdem nicht verschont).

1579 gab es 8 Güter (darunter zwei neue) und ein Hirtenhaus. Bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts kamen weitere 4 Güter, zwei Gütlein und ein Häuschen hinzu.

Am 10.10.1590 brannte das Lange Haus und das Dorf durch die Unachtsamkeit einer Bäuerin nieder. 19 Gebäude wurde zerstört, ein Kind und einige Haustiere kamen ums Leben.

1596 wird berichtet, dass das Dorf im Mittelalter woanders lag als heute, weiter östlich „das Gäßlein hinaus bei den Bäumen“ und erst nach einer Zerstörung an den heutigen Ort verlegt wurde.

1610 gab es einen handfesten Skandal um den Hohensteiner Pfleger, der etliche Schulden hatte und wohl auch seine Amtsgeschäfte schlampig führte. Er wurde 1612 seines Amtes enthoben und in den Nürnberger Schuldturm gesperrt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg verteigigungsbereit gemacht. 1620 wurde ein Wachhäuschen errichtet. Es entstanden Zäune, dornige Hecken und Gräben.

1632 wurde das Dorf überfallen und geplündert. Die Amtsknechtsfrau kam ums Leben und das Amtsknechtshaus wurde restlos ausgeplündert.

1639 erstach Johann Mannhardt Schürstab, der Sohn des Pflegers, einen gewissen Hans Seitz bei einem Streit im Wirtshaus mit einem Hirschfänger. Trotzdem wurde er später selbst zum Pfleger in Hiltpoltstein ernannt.

1678 wurde die Schule in Hohenstein gegründet – der erste Unterricht fand im Wirtshaus statt.

1685 stand unterhalb des Langen Hauses das erste Schulhaus.

1706 starb der Pfleger auf einen Heimritt von Velden nach Hohenstein weil er in ein „wildes Wasser“ geriet.

1719 entstand die Idee, auf der Burg ein Zuchthaus einzurichten. Dieser Plan wurde jedoch bald wieder fallen gelassen.

1732 zogen Salzburger Emigranten, die wegen ihres evangelischen Glaubens vertrieben worden waren, durch das Sittenbachtal und wurden vom Lehrer, der auch Gottesdienste abhielt, nach Hohenstein eingeladen.

1806 gab es in Hohenstein 14 Köblergüter, 2 Gütlein, 4 Häuser, 2 Häuschen, das ehemalige Pflegerhaus, das Amtsknechthaus, das Schulhaus und das Hirtenhaus, also insg. 26 Anwesen mit 121 Einwohnern.

Bereits 1830 wurde die Burg von Touristen besucht – die Vermessungsbehörde beschwerte sich darüber, dass sie den Signalturm als Aussichtspunkt nutzten und dabei Fensterläden abwarfen und den Treppenaufgang durch „Hin- und Herspringen“ beschädigten.

1852 wurde an anderer Stelle ein neues Schulhaus errichtet.

1892 gab es in Hohenstein 4 Brunnen und die erste Wasserversorgung mit einer mechanischen Widderpumpe wurde errichtet.

Um 1900 besuchte der Nürnberger Mundart-Dichter Konrad Grübel öfter den Hohenstein. Ihm zu Ehren wurde 1935 der Konrad-Grübel-Stammtisch gegründet, der 2002 wiedergegründet wurde und auch heute noch aktiv ist (https://www.facebook.com/KonradGruebelStammtisch).

Am 5.4.1900 wurde auch der Verschönerungs-Verein Hohenstein im Meyerschen Wirtshaus gegründet. Dieser pflegt und erhält auch heute noch die Burg Hohenstein (http://www.burg-hohenstein.com/index.html).

Von 1923 bis 1960 kaufte die Berlinerin Else Vogelsang mehrere Teile der Burg, wo sie internationale Gäste und Mieter einquartierte und Wohnraum für ein Anfang der 1950er etabliertes internationales Jugendgemeinschaftslager zur Verfügung stellte.

Im zweiten Weltkrieg wurde der Hohenstein als Luftnachrichtenstelle eingerichtet. Die 10 Flugbeobachterinnen dort warnten die Nürnberger vor nahenden Bombern.

1950 war die Zahl der Anwesen auf 36 mit 187 Einwohnern gestiegen.

1959 enstand das letzte Hohensteiner Schulhaus, in dem die Kinder bis zur Schließung der Schule unterricht wurden.

1983 wurde der Verschönerungs-Verein alleiniger Eigentümer der Oberburg.

Der Kampf um die Felsburg

Seit ca. 1910 war der Gasthof Felsburg in dem Besitz der Familie Eckert. Viele noch lebende Hohensteiner errinnern sich an herrliche Kinderfaschingsfester mit Cowboy und Indianer oder Hochzeiten im damals neuen Saal.

Leider ging um 2015 diese schöne Zeit zu Ende. Theodor Brinke, der den Gasthof von der Familie Eckert gekauft hatte, verstarb überraschend. Es folgte eine Zeit des Leerstandes, bis ein Bauunternehmer aus Rumänien im ehemaligen Gasthof eine Monteursunterkunft errichtete.

Nach vielen Anstrengungen konnten Sebastian Brandt und Andreas Fuchs das mittlerweile sehr heruntergewirtschaftete Anwesen Hohenstein 6 erwerben. Leider war damit die Leidensgeschichte noch nicht beendet, sondern es folgte ein zähes Ringen mit dem Bauunternehmer um Räumung des Anwesens. Nach dem dieses Kapitel nach fast 3 Jahren abgeschlossen werden konnte steht nun die Renovierung und er Umbau an.

Quellen:

Buchdruckerei Hans Zeder, Nürnberg: Chronik der Burg Hohenstein.

Helmut Kunstmann, Wilhelm Schwemmer, Fritz Schnelbögl: Burg Hohenstein – Ein Baudenkmal und seine Geschichte

Robert Giersch: Burg Hohenstein im Nürnberger Land